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SK_Zelle-9Wo wir sind ist eine Zelle

Zwischen Industrie, Kleinbürgerlichkeit und kommerzieller Pseudokultur erwachte vor über 40 Jahren die Zelle. Damit war die Basis einer kulturellen Alternative in der kleinen schwäbischen Großstadt Reutlingen geschaffen.

Kultur

Alternative deshalb, weil die üblichen Angebote meist ausschließlich auf Kommerz ausgerichtet sind. Kommerz steht für uns in einem krassen Gegensatz zu Kultur, sie sind nicht vereinbar. Da die Leute hier selbstverwaltet, autonom und nicht für Geld arbeiten, entsteht die Kultur die sie machen natürlich auch aus ganz anderen Motivationen.

Freiraum
Es geht um Spaß und um Raum zu schaffen, in dem Leute ohne hierarchische, sexistische oder faschistische Strukturen ihre Kreativität ausleben und Erfahrungen sammeln können. Dieser Freiraum überträgt sich nicht nur auf den kreativen Wert der Veranstaltungen – der sich übrigens nicht durch hohe Eintritts- und Getränkepreise auszeichnet – sondern vor allem auch auf die Stimmung unter den BesucherInnen.

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Selbstverwaltung
Selbstverwaltung bedeutet, alle Entscheidungen werden von allen MitarbeiterInnen auf der wöchentlichen Mitarbeiterversammlung (MV) nach dem Konsensprinzip gemeinsam getroffen. Das kann manchmal etwas länger dauern, dafür können die Beschlüsse aber auch von allen mitgetragen werden.

Nazis & Sexisten raus
Politisch ist die Zelle natürlich unabhängig. Da die Zelle allerdings für alle Raum bieten soll, in dem sie sich frei bewegen können, müssen all jene draussen bleiben, die diesen Freiraum der anderen nicht akzeptieren und deren persönliche Grenzen übertreten. Das heißt Menschen, die andere diskriminieren haben dort keinen Platz. Nazis, Rassisten und Sexisten raus!

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Träume
In über 40 Jahren hat die Zelle verschiedene Häuser bewohnt. Angefangen „unten beim Samensprandel in der Lederstraße“ 1968 (ungefähr da wo heute BillyBobs residiert), war sie so was wie eine Galerie, mit Bildern, Lesungen, Konzerten, Filmen und so… Doch die Zeit kam, als das Aufbegehren bis in die kleine schwäbische Großstadt vordrang und diese „Antigalerie“ sich zu einem Kulturzentrum wandelte, in dem Platz war für neue Ideen für ein anderes Leben, eine andere Kultur, eine Gegenkultur zur braven schwäbischen Bürgerlichkeit. Endlich gab es eine Chance, einen Raum in dem Träume Wirklichkeit wurden. 1983 zog dann die Zelle in die Obere Wässere und prägte ab sofort von dort aus das Stadtbild und die kulturelle Landschaft von Reutlingen. Bis die Stadtverwaltung die Kernstadterweiterung und damit auch den Abbruch der Zelle plante. Es wurde jahrelang um neue Räume gekämpft, unter anderem gab es die Forderung, nach denen das Café Nepomuk und die Zelle gemeinsam in das Foyer ziehen wollten. Das Foyer wurde für eine Riesenparty besetzt. Nach langen Verhandlungen dann entschied sich der Immobilienhai Schöller zusammen mit der Stadt für einen Neubau auf der Echazinsel (natürlich nicht weil er die Kultur der Zelle unterstützenswert hielt, er wollte lediglich in der oberen Wässere möglichst schnell – Zeit ist Geld – mit Bauen anfangen, und konnte dieses Ziel nur erreichen, wen er auf die Forderungen einer Lösung einging). Das war einerseits ein Erfolg, weil damit die Erhaltung dieses bunten Freiraumes geschafft war, andererseits ist die Zelle jetzt seit 1996 auch weit aus dem Stadtzentrum an die Peripherie verlagert worden …

Zelle bist auch Du, darum komm doch einfach mal auf die öffentliche MitarbeiterInnen Versammlung und lern uns kennen, mach mit, gestalte die Zelle! Jeden Dienstag ab 20 Uhr in der Zelle.

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